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Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ABC

A

 

Ab­so­lu­te Re­vi­si­ons­grün­de

Die ab­so­lu­ten Re­vi­si­ons­grün­de er­ge­ben sich aus § 338 StPO. Im Ge­gen­satz zu den so­ge­nann­ten re­la­ti­ven Re­vi­si­ons­grün­den ist bei die­sen stets zu un­ter­stel­len, dass das Ur­teil auf ei­nem Rechts­feh­ler „be­ruht“, so­fern ein ab­so­lu­ter Re­vi­si­ons­grund vor­liegt. Ver­ein­facht aus­ge­drückt: Lie­gen ab­so­lu­te Re­vi­si­ons­grün­de vor, sind die Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner Re­vi­si­on be­son­ders groß, da die sonst not­wen­di­ge Be­ru­hens­prü­fung ent­fällt.

 

Adress­sat der Re­vi­si­ons­be­grün­dung

Die Re­vi­si­ons­be­grün­dung ist eben­so wie die Ein­le­gung der Re­vi­si­on an das Ge­richt zu rich­ten, von wel­chem das Ur­teil stammt. Die Ent­schei­dung im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren er­geht frei­lich so­dann durch das über­ge­ord­ne­te Ge­richt, al­so je nach Fall­kon­stel­la­ti­on durch das Ober­lan­des­ge­richt oder durch den Bun­des­ge­richts­hof.

 

An­hö­rungs­rü­ge

Mit der An­hö­rungs­rü­ge kann, ver­ein­facht aus­ge­drückt, die Ver­let­zung recht­li­chen Ge­hörs gel­tend ge­macht wer­den, wenn dies in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ge­sche­hen ist. Dies ist grund­sätz­lich auch im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren mög­lich, wenn et­wa das Re­vi­si­ons­ge­richt die Stel­lung­nah­me­frist des § 349 Abs. 3 StPO über­sieht. Durch das so­ge­nann­te An­hö­rungs­ge­setz wur­de des­halb in § 356a StPO ein ei­ge­ner au­ßer­or­dent­li­cher Rechts­be­helf ein­ge­führt. Dem­nach kann das Ver­fah­ren auf ent­spre­chen­den An­trag hin durch Be­schluss in die La­ge ver­setzt wer­den, in wel­cher es vor Er­lass der Ent­schei­dung war.

 

Auf­klä­rungs­rü­ge

Bei der Auf­klä­rungs­rü­ge wird letzt­lich gel­tend ge­macht, dass das ver­ur­tei­len­de Ge­richt die Norm des § 244 Abs. 2 StPO ver­letzt und dem not­wen­di­gen Auf­klä­rungs­ge­bot nicht oder nur teil­wei­se nach­ge­kom­men ist. Dies ist et­wa dann der Fall, wenn das Ge­richt ei­ne ge­bo­te­ne Be­weis­erhe­bung un­ter­las­sen oder trotz ei­ner vor­ge­nom­me­nen Be­weis­erhe­bung das Be­weis­mit­tel nur un­zu­läng­lich ge­nutzt und nicht den ge­sam­ten re­le­van­ten Be­weis­stoff er­langt hat.

 

B

Be­ru­hens­prü­fung

Bei der straf­recht­li­chen Re­vi­si­on führt nicht je­der recht­li­che Feh­ler au­to­ma­tisch zur Auf­he­bung des Ur­teils. Es ist viel­mehr zu­sätz­lich not­wen­dig, dass das an­ge­foch­te­ne Ur­teil auf dem re­vi­si­ons­recht­lich ge­rüg­ten Feh­ler „be­ruht“. Bei der Ver­fah­rens­rüge ist hier­bei zu un­ter­schei­den, ob es sich um ei­nen ab­so­lu­ten oder ei­nen re­la­ti­ven Re­vi­si­ons­grund han­delt. Bei letzt­be­nann­ten, al­so bei re­la­ti­ven Re­vi­si­ons­grün­den, ist noch­mals in be­son­de­rer Wei­se aus­zu­füh­ren, dass das Re­sul­tat oh­ne den recht­li­chen Feh­ler mög­li­cher­wei­se ein an­de­res ge­we­sen wä­re, mit­hin das Ur­teil auf dem Ver­fah­rens­feh­ler „be­ruht“. In recht­li­cher Hin­sicht er­gibt sich dies aus § 337 Abs. 1 StPO.

 

Be­son­der­hei­ten der Re­vi­si­on

Die Re­vi­si­on im Straf­recht hat zahl­rei­che Be­son­der­hei­ten. Zu­nächst ist in fak­ti­scher Hin­sicht fest­zu­stel­len, dass es sich hier­bei in al­ler Re­gel um die letz­te Chan­ce han­delt, um ein tat­säch­li­ches oder ver­meint­li­ches Fehl­ur­teil bzw. ei­ne als un­ge­recht und zu hoch emp­fun­de­ne Stra­fe kor­ri­gie­ren zu kön­nen. In recht­li­cher Hin­sicht ist die Kennt­nis dar­über wich­tig, dass es sich im Ge­gen­satz zu ei­ner Be­ru­fung nicht um ei­ne Zweitat­sa­chen­in­stanz han­delt, bei der noch­mals ei­ne kom­plet­te Be­weis­auf­nah­me statt­fin­det. Im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren wer­den le­dig­lich „recht­li­che Feh­ler“ über­prüft. Aus die­sem Grund un­ter­liegt das Ver­fah­ren auch be­son­ders stren­gen Frist- und ins­be­son­de­re Form­vor­schrif­ten, die es für ei­ne er­folg­rei­che Re­vi­si­on im Straf­recht zwin­gend zu be­ach­ten gilt.

 

Be­weis­kraft des Pro­to­kolls

Für die re­vi­si­ons­recht­li­che Prü­fung im Straf­recht sind ins­be­son­de­re die schrift­li­che Ur­teils­aus­fer­ti­gung so­wie das Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­koll von ganz ent­schei­den­der Be­deu­tung. Wich­tig hier­bei zu wis­sen: Nach der Vor­schrift des § 274 StPO gilt das, was im Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­koll steht, als ge­sche­hen (selbst wenn es sich tat­säch­lich nicht so zu­ge­tra­gen hat) und um­ge­kehrt gilt das nicht pro­to­kol­lier­te als nicht ge­sche­hen (selbst wenn es ge­sche­hen sein soll­te). Für den ju­ris­ti­schen Lai­en mag dies ir­ri­tie­rend und un­ver­ständ­lich klin­gen. Gleich­wohl ist ge­ra­de im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren, wel­ches ein sehr for­ma­li­sier­tes Ver­fah­ren ist, die Kennt­nis über die so­ge­nann­te po­si­ti­ve Be­weis­kraft über das, was im Pro­to­koll steht bzw. die ne­ga­ti­ve Be­weis­kraft über das, was im Pro­to­koll fehlt, von gro­ßer Wich­tig­keit.

 

D

Dau­er des Re­vi­si­ons­ver­fah­ren

Die Dau­er des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens im Straf­recht kann höchst un­ter­schied­lich sein. In der re­vi­si­ons­recht­li­chen Pra­xis im Straf­recht kom­men ge­ra­de bei Sprung­re­vi­sio­nen ge­gen amts­ge­richt­li­che Ur­tei­le im­mer wie­der Fall­kon­stel­la­tio­nen vor, bei wel­chen ei­ne Re­vi­si­ons­ent­schei­dung be­reits nach ei­ni­gen Wo­chen bzw. we­ni­gen Mo­na­ten vor­liegt. Häu­fig dau­ert es al­ler­dings deut­lich län­ger, bis die Ent­schei­dung des Re­vi­si­ons­ge­richts vor­liegt. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn ei­ne Re­vi­si­on ge­gen ein um­fang­rei­ches Ur­teil des Land­ge­richts ein­ge­legt wer­den muss. In die­sem Fall dau­ert das Ver­fah­ren meist deut­lich län­ger, wo­bei kei­ne star­re Frist bis zur Ent­schei­dung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt exis­tiert.

 

E

Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten des Re­vi­si­ons­ge­richts

Das Re­vi­si­ons­ge­richt hat ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten der Ent­schei­dung. So­fern ei­ne Re­vi­si­ons­haupt­ver­hand­lung statt­fin­det, was al­ler­dings nicht der Re­gel­fall ist, er­geht letzt­lich ein Ur­teil, mit wel­chem die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung auf­ge­ho­ben wird oder nicht. Häu­fi­ger in der Pra­xis ist al­ler­dings, dass das Re­vi­si­ons­ge­richt durch Be­schluss ent­schei­det. Hier­bei kann die Re­vi­si­on ent­we­der ver­wor­fen oder aber auch – dies ist häu­fig das Ziel – das an­ge­foch­te­ne Ur­teil durch Be­schluss auf­ge­ho­ben und die Sa­che zu­rück­ver­wie­sen wer­den. Denk­bar ist fer­ner ei­ne Ent­schei­dung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt in der Sa­che selbst bzw. ei­ne Ver­fah­rens­ein­stel­lung gem. §§ 153 Abs. 2, 154 Abs. 2, 154a StPO.

 

Er­folgs­aus­sich­ten der Re­vi­si­on

Die Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner Re­vi­si­on im Straf­recht sind bei rein sta­tis­ti­scher Be­trach­tungs­wei­se äu­ßerst schlecht. Es ist al­ler­dings mög­lich, die Chan­cen im je­wei­li­gen Ein­zel­fall deut­lich zu er­hö­hen, so­fern ei­ne in­ten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung ins­be­son­de­re mit der schrift­li­chen Ur­teils­aus­fer­ti­gung so­wie mit dem Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­koll durch ei­nen An­walt im Re­vi­si­ons­recht statt­fin­det. Es geht (ver­ein­facht aus­ge­drückt) dar­um, recht­li­che Feh­ler in ge­ra­de­zu de­tek­ti­vi­scher Klein­ar­beit auf­zu­spü­ren und sel­bi­ge so­dann in der re­vi­si­ons­recht­lich er­for­der­li­chen Form zu rü­gen. Bei si­che­rer Kennt­nis der Be­son­der­hei­ten im ma­te­ri­el­len und pro­zes­sua­len Straf­recht so­wie der bun­des­wei­ten Recht­spre­chungs­ent­wick­lung be­steht ein deut­li­cher Vor­teil, der zu Guns­ten des Man­dan­ten ge­nutzt wer­den kann.

 

F

Feh­ler beim rich­ter­li­chen Au­gen­schein

Beim rich­ter­li­chen Au­gen­schein kön­nen Rechts­feh­ler da­durch ent­ste­hen, dass das Ge­richt ent­we­der Be­wei­se au­ßer­halb der Haupt­ver­hand­lung er­ho­ben und des­sen Be­weis­ergeb­nis im Ur­teil un­zu­läs­sig ver­wer­tet hat; § 261 StPO. Mög­lich ist die Feh­ler­haf­tig­keit auch da­durch, dass nicht al­le ent­schei­den­den Rich­ter den Au­gen­schein vor­ge­nom­men ha­ben.

 

Feh­ler­haf­te Be­weis­wür­di­gung

Die Be­weis­wür­di­gung ist vom Grund­satz her dem er­ken­nen­den Ge­richt, al­so dem Ge­richt, des­sen Ur­teil an­ge­foch­ten wird, zu über­las­sen. Ins­be­son­de­re darf das Re­vi­si­ons­ge­richt die Be­weis­wür­di­gung des Tat­ge­richts nicht durch ei­ge­ne Be­weis­wür­di­gungs­über­le­gun­gen er­set­zen. In­so­fern be­steht dies­be­züg­lich nur ei­ne ein­ge­schränk­te re­vi­si­ons­recht­li­che An­greif­bar­keit. Ei­ne sol­che kann aber et­wa dann ge­ge­ben sein, wenn das Ur­teil in sich wi­der­sprüch­lich oder un­lo­gisch ist bzw. wenn es lü­cken­haft ist und es da­her an ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Be­weis­wür­di­gung fehlt. Auch kön­nen in die­sem Zu­sam­men­hang Zir­kel­schlüs­se oder of­fen­kun­di­ge Wi­der­sprü­che zu wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen an­ge­grif­fen wer­den.

 

Feh­ler bei der Straf­zu­mes­sung

Die Fra­ge der Straf­zu­mes­sung so­wie die Fra­ge der Straf­hö­he ist grund­sätz­lich dem so­ge­nann­ten Tatrich­ter, al­so dem Ge­richt, des­sen Ur­teil mit der Re­vi­si­on an­ge­foch­ten wird, über­las­sen. Es be­steht in­so­fern nur ei­ne ein­ge­schränk­te re­vi­si­ons­recht­li­che Über­prüf­bar­keit. Trotz die­ser Ein­schrän­kung kann in der re­vi­si­ons­recht­li­chen Pra­xis an die­ser Stel­le den­noch im­mer wie­der er­folg­reich ar­gu­men­tiert wer­den. Dies ist et­wa dann der Fall, wenn der un­zu­tref­fen­de Straf­rah­men ge­wählt bzw. Straf­rah­mens­ver­schie­bun­gen ver­kannt wur­den. Auch kommt es im­mer wie­der vor, dass un­zu­tref­fen­de Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen in die Ur­teils­fin­dung ein­flie­ßen, die ih­rer­seits re­vi­si­ons­recht­lich an­greif­bar sind. Be­son­ders häu­fig in die­sem Zu­sam­men­hang sind auch Ver­stö­ße ge­gen das Dop­pel­ver­wer­tungs­ver­bot (§ 46 Abs. 3 StGB), wenn et­wa bei ei­nem Ge­walt­de­likt die dar­in zum Aus­druck kom­men­de Ge­walt­be­reit­schaft noch­mals ex­pli­zit straf­schär­fend ge­wich­tet wird. Auch hier gilt: Bei Kennt­nis über die recht­lich zu be­ach­ten­den Fak­to­ren bei der Straf­zu­mes­sung kön­nen die Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner Re­vi­si­on deut­lich er­hö­hen.

 

Feh­ler beim Ur­kund­s­be­weis

Der Ur­kund­s­be­weis hat im Straf­recht ei­ne gro­ße Be­deu­tung. In dem weit über­wie­gen­den An­teil der Straf­ver­fah­ren wer­den wäh­rend des Pro­zess­ver­laufs Ur­kun­den (Schrift­stü­cke) teil­wei­se oder um­fas­send ver­le­sen bzw. durch das so­ge­nann­te Selbst­le­se­ver­fah­ren in den Pro­zess ein­ge­führt. Hier­bei kön­nen viel­fach re­vi­si­ons­recht­lich an­greif­ba­re Feh­ler ge­macht wer­den. Dies ist et­wa dann der Fall, wenn der „Vor­rang des Per­so­nal­be­wei­ses“ in an­greif­ba­rer Wei­se ver­kannt wird oder aber auch auf for­ma­ler Ebe­ne dann, wenn et­wa im Fal­le des Selbst­le­se­ver­fah­rens nicht ord­nungs­ge­mäß im Pro­to­koll hin­ter­legt wur­de, dass die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten die Mög­lich­keit zur Kennt­nis­nah­me hat­ten und es bei Ge­richt zu ei­ner sol­chen Kennt­nis­nah­me auch in tat­säch­li­cher Hin­sicht ge­kom­men ist. Für die re­vi­si­ons­recht­li­che Über­prü­fung im Hin­blick auf Feh­ler beim Ur­kund­s­be­weis sind die §§ 249 ff. StPO von ent­schei­den­der Be­deu­tung.

 

Feh­ler beim Sach­ver­stän­di­gen­be­weis

In ei­ner nicht un­er­heb­li­chen An­zahl von Straf­ver­fah­ren wird ein Sach­ver­stän­di­ger hin­zu­ge­zo­gen. Auch an die­ser Stel­le kön­nen im­mer wie­der re­vi­si­ons­recht­lich re­le­van­te Feh­ler pas­sie­ren. Dies et­wa im Zu­sam­men­hang mit der Ver­ei­di­gung des Sach­ver­stän­di­gen, aber auch in Fall­kon­stel­la­tio­nen, bei de­nen ein Be­fan­gen­heits­an­trag ge­gen den Sach­ver­stän­di­gen ge­stellt wer­den muss, wo­bei im letzt­be­nann­ten Fall nur ei­ne ein­ge­schränk­te re­vi­si­ons­recht­li­che Über­prüf­bar­keit ge­ge­ben ist.

 

Feh­ler beim Zeu­gen­be­weis

Der Zeu­ge ist im Straf­ver­fah­ren häu­fig das wich­tigs­te Be­weis­mit­tel (wenn auch in der Pra­xis häu­fig das un­zu­ver­läs­sigs­te). Gleich­wohl kommt den Zeu­gen­be­weis in fak­ti­scher Hin­sicht im Straf­ver­fah­ren ei­ne ganz be­son­de­re und her­aus­ra­gen­de Be­deu­tung zu. Um­ge­kehrt be­deu­tet dies aber auch, dass ge­ra­de an die­ser Stel­le im­mer wie­der Feh­ler ge­macht wer­den, die An­griffs­punk­te für ein er­folg­rei­ches Re­vi­si­ons­ver­fah­ren bie­ten. Le­dig­lich bei­spiel­haft sei­en an die­ser Stel­le die Pro­blem­fel­der im Zu­sam­men­hang mit fal­schen oder schlech­ter­dings un­ter­blie­be­nen Be­leh­run­gen be­nannt. Auch das in § 252 StPO ge­re­gel­te Ver­bot der Pro­to­koll­ver­le­sung nach Zeug­nis­ver­wei­ge­rung kann im Ein­zel­fall zu ei­nem re­vi­si­ons­recht­li­chen Er­folg füh­ren. Zu­dem ist es et­wa denk­bar, Feh­ler bei der Ver­ei­di­gung von Zeu­gen zu rü­gen. Wich­tig an die­ser Stel­le zu wis­sen: Nicht je­der Rechts­feh­ler bei ei­ner Zeu­gen­ver­neh­mung führt da­zu, dass das Ur­teil auf­ge­ho­ben wer­den kann, zu­mal ein Teil der ent­spre­chen­den straf­pro­zes­sua­len Vor­schrif­ten an die­ser Stel­le auch nicht dem Schutz des An­ge­klag­ten, son­dern viel­mehr dem Schutz des Zeu­gen dient und da­her – je nach Fall­kon­stel­la­ti­on – ge­ge­be­nen­falls auch nur die­ser von der je­wei­li­gen Feh­ler­haf­tig­keit be­trof­fen ist („Sphä­ren­theo­rie“). Trotz­dem soll­te vom Straf­ver­tei­di­ger im Re­vi­si­ons­recht ge­ra­de an die­ser Stel­le ei­ne in­ten­si­ve Über­prü­fung statt­fin­den.

 

Form der Re­vi­si­ons­be­grün­dung

Die Re­vi­si­ons­be­grün­dung muss gem. § 344 Abs. 1 StPO be­grün­det wer­den. Die Be­grün­dung ist hier­bei an das Ge­richt zu rich­ten, des­sen Ur­teil an­ge­foch­ten wird. Wich­tig hier­bei zu wis­sen: Die Re­vi­si­on des An­ge­klag­ten kann nur schrift­lich von ei­nem Ver­tei­di­ger bzw. dem nach § 139 StPO tä­ti­gen Rechts­re­fe­ren­dar oder von ei­nem sons­ti­gen Rechts­an­walt ein­ge­reicht oder vom An­ge­klag­ten zu Pro­to­koll der Ge­schäfts­stel­le er­klärt wer­den. Ein ei­ge­ner Schrift­satz des An­ge­klag­ten ge­nügt hier­für nicht. Wei­ter­hin sind spe­zi­el­le Vor­schrif­ten für die Re­vi­si­ons­be­grün­dung so­wie für die ent­spre­chen­den Fris­ten zu be­rück­sich­ti­gen.

 

Frist der Re­vi­si­ons­ein­le­gung

Die Frist für die Re­vi­si­ons­ein­le­gung be­trägt 1 Wo­che ab Ver­kün­dung des Ur­teils, was sich aus § 341 Abs. 1 StPO er­gibt. Ist die Ur­teils­ver­kün­di­gung in Ab­we­sen­heit des An­ge­klag­ten er­folgt, was al­ler­dings die Aus­nah­me sein dürf­te, läuft die Wo­chen­frist für die­sen re­gel­mä­ßig ab Zu­stel­lung, wo­bei im Fal­le von Mehr­fach­zu­stel­lun­gen § 37 As. 2 StPO zu be­ach­ten ist. Die Fra­ge der Zu­stel­lung an Ver­tei­di­ger und An­ge­klag­ten re­gelt § 145a StPO. Im ab­so­lu­ten Aus­nah­me­fall kann bei schuld­lo­ser Frist­ver­säum­nis ge­ge­be­nen­falls ein An­trag auf Wie­der­ein­set­zung in den vor­he­ri­gen Stand ge­stellt wer­den. Hier­auf soll­te man sich aber kei­nes­falls ver­las­sen!

 

Form der Re­vi­si­ons­ein­le­gung

Die Ein­le­gung der Re­vi­si­on hat bei dem Ge­richt zu er­fol­gen, des­sen Ur­teil an­ge­foch­ten wird. Dies in schrift­li­cher Form oder zu Pro­to­koll der Ge­schäfts­stel­le.

 

G

Grün­de für Ab­leh­nung von Be­weis­an­trä­gen

Im Rah­men der straf­recht­li­chen Re­vi­si­on wird häu­fig ge­prüft, ob ein zu­vor ge­stell­ter Be­weis­an­trag zu Un­recht ab­ge­lehnt wur­de. So­fern dies der Fall ist (in der Pra­xis ist dies gar nicht so sel­ten), kann ge­ge­be­nen­falls hier­aus ei­ne re­vi­si­ons­recht­li­che An­greif­bar­keit des Ur­teils er­fol­gen. Für die Fra­ge der Ab­leh­nung von Be­weis­an­trä­gen ist ins­be­son­de­re die Vor­schrift des § 244 StPO von gro­ßer Be­deu­tung. Dem­nach kön­nen Be­weis­an­trä­ge bei­spiels­wei­se ab­ge­lehnt wer­den, wenn die Er­he­bung des Be­wei­ses un­zu­läs­sig ist, so­fern ei­ne Be­weis­erhe­bung we­gen Of­fen­kun­dig­keit über­flüs­sig ist, wenn die Tat­sa­che, wel­che be­wie­sen wer­den soll, für die Ent­schei­dung oh­ne Be­deu­tung ist, wenn die Tat­sa­che, die be­wie­sen wer­den soll, schon er­wie­sen ist, wenn das Be­weis­mit­tel völ­lig un­ge­eig­net ist, so­fern das Be­weis­mit­tel un­er­reich­bar ist oder wenn ei­ne Be­weis­be­haup­tung als zu­tref­fend un­ter­stellt wer­den kann. Zu­dem gibt es noch wei­te­re Be­son­der­hei­ten, die im Zu­sam­men­hang mit Be­weis­an­trä­gen auf Ver­neh­mung von Sach­ver­stän­di­gen zu be­rück­sich­ti­gen sind.

 

K

Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­ren

Für die Straf­ver­tei­di­gung im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren wer­den häu­fig in­di­vi­du­el­le Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen an­ge­bo­ten. So­fern der Rechts­an­walt im Re­vi­si­ons­rechts sei­ne Auf­ga­be ernst nimmt, ist dies re­gel­mä­ßig mit ei­nem ganz er­heb­li­chen Zeit­auf­wand ver­bun­den. Na­tür­lich macht es hier­für ei­nen Un­ter­schied, ob ein amts­ge­richt­li­ches Ur­teil im Rah­men der Sprung­re­vi­si­on über­prüft wer­den muss, wel­ches „nur“ an ei­nem Haupt­ver­hand­lungs­tag ver­han­delt wur­de oder ob sich die Re­vi­si­on ge­gen ein land­ge­richt­li­ches Ur­teil rich­tet, dem zahl­rei­che Haupt­ver­hand­lungs­ta­ge zu­grun­de lie­gen. Hier­bei be­steht lei­der das Haupt­pro­blem dar­in, dass der größ­te zeit­li­che Auf­wand für den Re­vi­si­ons­an­walt dar­in be­steht, das Ur­teil so­wie das Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­koll auf re­vi­si­ons­recht­lich an­greif­ba­re Feh­ler zu über­prü­fen. Erst nach die­ser um­fas­sen­den Prü­fung kann nä­her ein­ge­schätzt wer­den, wie groß die Er­folgs­aus­sich­ten im kon­kre­ten Ein­zel­fall sind. Das Ab­fas­sen der dar­auf ba­sie­ren­den Re­vi­si­ons­be­grün­dungs­schrift ist zwar häu­fig auch zeit­in­ten­siv. Die „Haupt­ar­beit“ muss in­des im Vor­feld ge­macht wer­den. So­weit es die Kanz­lei be­trifft, wird die Kos­ten­fra­ge vor der Man­da­tie­rung im De­tail mit dem Man­dan­ten er­ör­tert, da­mit Pla­nungs­si­cher­heit und Kennt­nis über die zu er­war­ten­den fi­nan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen für die straf­recht­li­che Tä­tig­keit im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren be­steht.

 

M

Mit­wir­kung ei­nes aus­ge­schlos­se­nen Rich­ters

Die Mit­wir­kung ei­nes aus­ge­schlos­se­nen Rich­ters oder Schöf­fen kann ge­ge­be­nen­falls re­vi­si­ons­recht­lich an­greif­bar sein. Be­reits von Ge­set­zes we­gen (und oh­ne die Son­der­pro­ble­ma­tik des „be­fan­ge­nen Rich­ters“) ist ei­nem Rich­ter oder Schöf­fen die Mit­wir­kung am Ur­teil u. a. dann un­ter­sagt, wenn er selbst oder sein Ehepartner/Lebenspartner durch die Straf­tat ver­letzt ist. Fer­ner, so­fern er mit dem Be­schul­dig­ten oder dem Ver­letz­ten in ei­nem be­stimm­ten Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis steht, wenn er be­reits mit der Sa­che als Be­am­ter der Staats­an­walt­schaft be­fasst war oder wenn er in der glei­chen Rechts­sa­che als Zeu­ge ver­nom­men wur­de. Zu­dem be­stehen Aus­schlie­ßungs­grün­de u. a. dann, wenn der Rich­ter in be­stimm­ten Fall­kon­stel­la­tio­nen an der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren bzw. im Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­ren mit­ge­wirkt hat. Wei­te­re Aus­schluss­grün­de er­ge­ben sich un­ter an­de­rem dann, wenn der Rich­ter zu­vor mit Über­wa­chungs­maß­nah­men im Sin­ne des § 148a StPO be­fasst war.

 

Mit­wir­kung ab­ge­lehn­ter Rich­ter

Re­vi­si­ons­recht­lich an­greif­bar kann es sein, wenn ein Rich­ter oder ein Schöf­fe bei der Ur­teils­fin­dung mit­ge­wirkt hat, ge­gen wel­chen zu­vor ein „Be­fan­gen­heits­an­trag“ ge­stellt wur­de. Dies je­den­falls dann, wenn die Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit be­grün­det war, dies in der recht­lich ge­bo­te­nen Form vor­ge­tra­gen wur­de und es so­dann zu ei­ner un­be­rech­tig­ten Ver­wer­fung des Be­fan­gen­heits­an­trags kam. Wich­tig hier­bei zu wis­sen: Für ei­nen er­folg­rei­chen Be­fan­gen­heits­an­trag ist letzt­lich nicht ent­schei­dend, ob der Rich­ter oder Schöf­fe tat­säch­lich be­fan­gen war. Ab­zu­stel­len ist viel­mehr dar­auf, ob das Ver­hal­ten des Richters/Schöffen „aus Sicht ei­nes ver­stän­di­gen An­ge­klag­ten“ die Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit be­grün­det hat. Be­fan­gen­heits­grün­de kön­nen u. a. aus be­lei­di­gen­den Äu­ße­run­gen des Rich­ters ge­gen den An­ge­klag­ten oder (was tat­säch­lich auch vor­kommt!) aus öf­fent­li­chen Äußerungen/Auftritten des Rich­ters bzw. Schöf­fen im In­ter­net re­sul­tie­ren, bei de­nen der Ein­druck ei­ner Vor­ein­ge­nom­men­heit ent­ste­hen muss. Grund­vor­aus­set­zung für ei­ne er­folg­rei­che re­vi­si­ons­recht­li­che Rü­ge in die­sem Be­reich ist frei­lich, dass zu­vor über­haupt ein ent­spre­chen­der Be­fan­gen­heits­an­trag ge­stellt wur­de.

 

R

Re­la­ti­ve Re­vi­si­ons­grün­de

Im Rah­men des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens ist zwi­schen re­la­ti­ven und ab­so­lu­ten Re­vi­si­ons­grün­den zu un­ter­schei­den. Die Ver­fah­rens­rü­gen bei ab­so­lu­ten Re­vi­si­ons­grün­den er­ge­ben sich aus § 338 StPO. Liegt ei­ne Ver­let­zung der Vor­schrif­ten aus § 338 Nr. 1 bis 7 StPO vor, wird un­wi­der­leg­bar ver­mu­tet, dass das Ur­teil auf die­sem Feh­ler be­ruht. Bei den re­la­ti­ven Re­vi­si­ons­grün­den ist dies in­des an­ders: Hier führt nicht je­der Ge­set­zes­ver­stoß da­zu, dass die Re­vi­si­on er­folg­reich ist. Viel­mehr ist an die­ser Stel­le noch­mals ei­ne ge­son­der­te „Be­ru­hens­prü­fung“ vor­zu­neh­men.

 

Re­vi­si­ons­an­trag

Ne­ben der Re­vi­si­ons­be­grün­dung ist für ei­ne er­folg­rei­che Re­vi­si­on ins­be­son­de­re auch ein Re­vi­si­ons­an­trag er­for­der­lich. Nach den Vor­schrif­ten der Straf­pro­zess­ord­nung sind die Re­vi­si­ons­an­trä­ge spä­tes­tens bis zum Ab­lauf der Re­vi­si­ons­be­grün­dungs­frist zu stel­len. Durch den Re­vi­si­ons­an­trag um­grenzt der Rechts­mit­tel­füh­rer das Rechts­mit­tel. In der Pra­xis der Ver­tei­di­gung im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren wird häu­fig der An­trag ge­stellt, „das Ur­teil mit den Fest­stel­lun­gen auf­zu­he­ben und es zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an ei­ne an­de­re Strafkammer/Abteilung des Amts­ge­richts zu­rück­zu­ver­wei­sen“.

 

Re­vi­si­ons­be­rech­ti­gung

Re­vi­si­ons­be­rech­tigt ist der Ver­ur­teil­te bzw. der für ihn tä­ti­ge Ver­tei­di­ger. Wei­ter­hin sind grund­sätz­lich re­vi­si­ons­be­rech­tigt die ge­setz­li­chen Ver­tre­ter des An­ge­klag­ten so­wie im Ju­gend­straf­recht die sons­ti­gen Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten. Da­ne­ben gibt es auch für die Ne­ben­kla­ge die Mög­lich­keit, das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on ein­zu­le­gen. An die­ser Stel­le sind al­ler­dings noch­mals be­son­de­re Vor­aus­set­zun­gen zu be­ach­ten, wel­che u. a. dar­in be­stehen, dass die Re­vi­si­on der Ne­ben­kla­ge nicht mit dem Ziel ein­ge­legt wer­den kann, dass ge­gen den An­ge­klag­ten ei­ne an­de­re Rechts­fol­ge (al­so ei­ne hö­he­re Stra­fe) ver­hängt wird. Zu be­rück­sich­ti­gen ist fer­ner, dass auch der Staats­an­walt­schaft die Mög­lich­keit bleibt, das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on ein­zu­le­gen. Ge­setz­lich ge­re­gelt ist die Rechts­mit­tel­be­rech­ti­gung ins­be­son­de­re in den §§ 296, 297, 298, 400, 401, 431 StPO. Wei­te­re Vor­aus­set­zung für die Re­vi­si­ons­be­rech­ti­gung ist, dass kein wirk­sa­mer Rechts­mit­tel­ver­zicht vor­liegt. Im Ein­zel­fall ist an die­ser Stel­le zu prü­fen, ob ein et­waig er­klär­ter Rechts­mit­tel­ver­zicht sinn­voll an­ge­grif­fen wer­den kann oder nicht.

 

Re­vi­si­ons­be­grün­dungs­frist

Die Re­vi­si­ons­be­grün­dungs­frist be­trägt 1 Mo­nat. Sie be­ginnt in der Re­gel mit der Zu­stel­lung des schrift­li­chen Ur­teils, frü­hes­tens mit dem Ab­lauf der ein­wö­chi­gen Re­vi­si­ons­ein­le­gungs­frist. Liegt die Si­tua­ti­on vor, was nicht häu­fig vor­kommt, dass das Re­vi­si­ons­ge­richt Wie­der­ein­set­zung in den vor­he­ri­gen Stand ge­währt hat oder wur­de das Ur­teil be­rich­tigt, so be­ginnt die Be­grün­dungs­frist mit Zu­stel­lung des je­wei­li­gen Be­schlus­ses.

 

Re­vi­si­ons­ge­rich­te

Bei den Re­vi­si­ons­ge­rich­ten ist zu un­ter­schei­den, ge­gen wel­ches Ur­teil das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on ein­ge­legt wur­de. Über die Re­vi­si­on ge­gen erst­in­stanz­li­che Ur­tei­le der Land­ge­rich­te und der Ober­lan­des­ge­rich­te ent­schei­det der Bun­des­ge­richts­hof. Han­delt es sich in­des um ei­ne Re­vi­si­on ge­gen ein Be­ru­fungs­ur­teil des Land­ge­richts oder um ei­ne Sprung­re­vi­si­on ge­gen ein amts­ge­richt­li­ches Ur­teil, ent­schei­det das ört­lich zu­stän­di­ge Ober­lan­des­ge­richt.

 

Re­vi­si­ons­haupt­ver­hand­lung

Ei­ne Re­vi­si­ons­haupt­ver­hand­lung ist eher die Aus­nah­me. In al­ler Re­gel han­delt es sich bei der Re­vi­si­on um ein schrift­li­ches Ver­fah­ren, wel­ches so­dann durch ei­nen Be­schluss des Bun­des­ge­richts­hofs bzw. des zu­stän­di­gen Ober­lan­des­ge­richts ent­schie­den wird. Im Fal­le des Er­folgs der Re­vi­si­on kommt es dann meist zur völ­li­gen oder zu­min­dest teil­wei­sen Auf­he­bung des Ur­teils und zur Zu­rück­wei­sung des Ver­fah­rens an ei­ne an­de­re Straf­kam­mer des Land­ge­richts bzw. an ei­ne an­de­re Ab­tei­lung des Amts­ge­richts bei der Sprung­re­vi­si­on. Hier­mit ist al­ler­dings nicht der Be­griff ei­ner „Re­vi­si­ons­haupt­ver­hand­lung“ ge­meint. Bei der Re­vi­si­ons­haupt­ver­hand­lung han­delt es sich um ei­ne münd­li­che Ver­hand­lung di­rekt vor dem Re­vi­si­ons­ge­richt. De­ren Ab­lauf ist in­des ein völ­lig an­de­rer, wie in Ver­fah­ren vor dem In­stanz­ge­richt, zu­mal es hier­bei eben nur „ju­ris­ti­sche Pro­ble­me“ geht. Bei der Re­vi­si­ons­haupt­ver­hand­lung ist der An­ge­klag­te da­her häu­fig auch über­haupt nicht an­we­send.

 

Re­vi­si­on der Ne­ben­kla­ge

Die Ne­ben­kla­ge hat grund­sätz­lich auch die Mög­lich­keit das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on ein­zu­le­gen. Im Ver­gleich zu der Re­vi­si­on durch den An­ge­klag­ten ist die Re­vi­si­on der Ne­ben­kla­ge al­ler­dings deut­lich be­schränkt. Wich­tig in die­sem Zu­sam­men­hang zu wis­sen: Die Ne­ben­kla­ge kann mit ih­rer Re­vi­si­on das Ur­teil nicht mit dem Ziel an­fech­ten, dass auf ei­ne an­de­re Rechts­fol­ge (al­so auf ei­ne hö­he­re Stra­fe) er­kannt wird. Glei­ches gilt gem. § 400 StPO da­für, dass die Ne­ben­kla­ge die Ver­ur­tei­lung des An­ge­klag­ten we­gen ei­ner Ge­set­zes­ver­let­zung for­dert, die nicht zum An­schluss des Ne­ben­klä­gers be­rech­tigt. Häu­fi­ge und mit­un­ter auch sinn­vol­le Fall­kon­stel­la­tio­nen für die Ne­ben­kla­ge kön­nen sich in­des bei­spiels­wei­se dar­aus er­ge­ben, dass aus Sicht der Ne­ben­klag­te der Tä­ter ei­ner Se­xu­al­straf­tat oder ei­nes Tö­tungs­de­likts frei­ge­spro­chen wur­de und ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ur­tei­lung sei­tens der Ne­ben­kla­ge er­strebt wird.

 

Re­vi­si­on durch die Staats­an­walt­schaft

Nicht nur der An­ge­klag­te, son­dern auch die Staats­an­walt­schaft hat das Recht zur Re­vi­si­on. In der Rechts­pra­xis kommt dies we­sent­lich we­ni­ger oft vor, wie die Re­vi­si­on durch den An­ge­klag­ten. So­fern sei­tens der Staats­an­walt­schaft das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on gleich­wohl ge­wählt wird, ist dies äu­ßerst ernst zu neh­men. Ge­ra­de weil die Re­vi­si­on durch die Staats­an­walt­schaft eher Aus­nah­me­cha­rak­ter hat, ge­schieht dies in ers­ter Li­nie dann, wenn sich die Staats­an­walt­schaft „be­son­ders si­cher“ ist. Rein sta­tis­tisch sind die Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner durch die Staats­an­walt­schaft ein­ge­leg­ten Re­vi­si­on (lei­der) auch recht hoch im Ver­gleich zur Re­vi­si­on durch den An­ge­klag­ten.

 

Re­vi­si­on des An­ge­klag­ten

Für den An­ge­klag­ten ist das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on häu­fig die letz­te Mög­lich­keit, noch­mals ei­ne Ur­teils­kor­rek­tur zu er­rei­chen. Im Un­ter­schied zum Be­ru­fungs­ver­fah­ren fin­det ein Re­vi­si­ons­ver­fah­ren kei­ne er­neu­te um­fas­sen­de Be­weis­auf­nah­me statt. Das Ur­teil wird viel­mehr – ver­ein­facht aus­ge­drückt – auf „Rechts­feh­ler“ bzw. „Ver­fah­rens­feh­ler“ über­prüft. Die­se müs­sen so­dann un­ter Be­ach­tung der im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren gel­ten­den be­son­de­ren Frist- und Form­vor­schrif­ten gel­tend ge­macht wer­den. Die sta­tis­ti­schen Er­folgs­aus­sich­ten der Re­vi­si­on des An­ge­klag­ten lie­gen (auf al­le Ver­fah­ren ge­rech­net) häu­fig nur im ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich. Durch ent­spre­chen­de Fach­kennt­nis ei­nes im Re­vi­si­ons­recht tä­ti­gen Rechts­an­walts ist es al­ler­dings mög­lich, die in­di­vi­du­el­len Er­folgs­aus­sich­ten deut­lich zu er­hö­hen. An die­ser Stel­le zählt in ers­ter Li­nie die um­fas­sen­de Kennt­nis der ma­te­ri­ell recht­li­chen so­wie ins­be­son­de­re auch der straf­pro­zes­sua­len Vor­schrif­ten so­wie der bun­des­wei­ten Recht­spre­chungs­ent­wick­lung.

 

S

Sach­rü­ge

Im Rah­men der straf­recht­li­chen Re­vi­si­on wird mit der so­ge­nann­ten Sach­rü­ge die Ver­let­zung ma­te­ri­el­len Rechts ge­rügt. Zu un­ter­schei­den hier­von ist die so­ge­nann­te Ver­fah­rens­rüge, wel­che die Ver­let­zung for­mel­len Rechts zum Ge­gen­stand hat. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen bei­den Rü­gen­ar­ten ist des­halb von ganz be­son­de­rer Be­deu­tung, da für de­ren kon­kre­te Aus­ge­stal­tung in der Re­vi­si­ons­be­grün­dungs­schrift völ­lig un­ter­schied­li­che for­mel­le Vor­aus­set­zun­gen zu er­fül­len bzw. zu über­win­den sind. Bei­spiel­haft kann mit der Sach­rü­ge gel­tend ge­macht wer­den, dass das Ge­richt ei­ne un­rich­ti­ge recht­li­che Wür­di­gung vor­ge­nom­men hat. Glei­ches gilt für un­zu­läng­li­che Straf­zu­mes­sen­ungs­er­wä­gun­gen, ei­ne rechts­feh­ler­haf­te Be­weis­wür­di­gung, Feh­ler bei der Sach­ver­halts­an­nah­me so­wie ein Ver­stoß ge­gen die Min­dest­an­for­de­run­gen bei der Dar­le­gungs­pflicht in den Ur­teils­grün­den. Wird die Sach­rü­ge in Form der all­ge­mei­nen Sach­rü­ge er­ho­ben, prüft das Re­vi­si­ons­ge­richt die voll­stän­di­gen Ur­teil­grün­de von Amts we­gen, nicht je­doch nicht das Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­koll. Es emp­fiehlt sich da­her zu­sätz­lich auch die Ver­fah­rens­rüge zu er­he­ben, so­fern An­halts­punk­te hier­für dar­stell­bar sind.

 

Sperr­be­ru­fung der Staats­an­walt­schaft

Die so­ge­nann­te Sperr­be­ru­fung der Staats­an­walt­schaft kann in straf­recht­li­chen Re­vi­si­ons­ver­fah­ren Be­deu­tung ge­lan­gen, bei wel­chen sei­tens der Ver­tei­di­gung ei­ne Sprung­re­vi­si­on ge­gen ein amts­ge­richt­li­ches Ur­teil ein­ge­legt wur­de. Er­folg­te die Ver­ur­tei­lung durch das Amts­ge­richt, hat der Be­schul­dig­te grund­sätz­lich die Wahl, ob er das Rechts­mit­tel der Be­ru­fung zum Land­ge­richt oder so­gleich das Rechts­mit­tel der Sprung­re­vi­si­on zum Ober­lan­des­ge­richt ein­legt. Tritt nun­mehr die Si­tua­ti­on auf, dass die Staats­an­walt­schaft eben­falls Rechts­mit­tel ein­legt und sich hier­bei für ei­ne Be­ru­fung ent­schei­det (was der ab­so­lu­te Re­gel­fall sein wird), wä­re die Sprung­re­vi­si­on des An­ge­klag­ten „ge­sperrt“, da in die­sem Fall das Rechts­mit­tel ein­heit­lich als Be­ru­fung an­zu­se­hen ist. In­so­fern kann die Sperr­be­ru­fung als tak­ti­sches Mit­tel der Staats­an­walt­schaft ein­ge­setzt wer­den, um den vom An­ge­klag­ten ge­wünsch­ten Rechts­weg der Sprung­re­vi­si­on zu ver­hin­dern. Dies bie­tet sich bei­spiels­wei­se in Fall­kon­stel­la­tio­nen an (und dies kommt durch­aus vor), in de­nen das amts­ge­richt­li­che Ur­teil der­art gro­be Ver­fah­rens­feh­ler ent­hält, dass ein un­mit­tel­ba­rer Re­vi­si­ons­er­folg ab­seh­bar ist. In der straf­recht­li­chen Pra­xis kann da­hin­ste­hen, dass ei­ne sol­che rein tak­ti­sche Sperr­be­ru­fung der Staats­an­walt­schaft ei­gent­lich ge­mäß Nr. 47 Abs. 1 S. 4 RiStBV problematisch/unzulässig ist. An­ge­wandt wird es trotz­dem. So­fern man die­se Ge­fahr um­ge­hen möch­te, ist es bei­spiels­wei­se denk­bar, das Rechts­mit­tel zu­nächst noch nicht kon­kret zu be­zeich­nen (was zu­läs­sig ist) oder al­ter­na­tiv da­zu so­gar zu­nächst das Rechts­mit­tel der Be­ru­fung ein­zu­le­gen und in­ner­halb der hier­für mög­li­chen Fris­ten in das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on zu wech­seln. Hier­durch wird die Staats­an­walt­schaft nicht vor­schnell auf die Idee ge­bracht, dass ge­ge­be­nen­falls ein Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ge­führt wer­den soll, mit wel­chem ju­ris­ti­sche Feh­ler im De­tail di­rekt an­ge­grif­fen wer­den.

 

Sprung­re­vi­si­on

Der üb­li­che Ver­fah­rens­gang im straf­recht­li­chen Re­vi­si­ons­ver­fah­ren be­steht dar­in, dass ge­gen ein erst­in­stanz­li­ches land­ge­richt­li­ches Ur­teil das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­legt wird. Ge­gen ein amts­ge­richt­li­ches Ur­teil zu­nächst Be­ru­fung zum Land­ge­richt und so­dann ge­ge­be­nen­falls Re­vi­si­on zum Ober­lan­des­ge­richt. Im Hin­blick auf amts­ge­richt­li­che Ver­fah­ren ist es nun­mehr so, dass die­ser Rechts­weg auch über­sprun­gen bzw. ab­ge­kürzt wer­den kann. In die­sem Fall wür­de di­rekt Re­vi­si­on ge­gen das amts­ge­richt­li­che Ur­teil zum Ober­lan­des­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Da in die­sem Fall das Land­ge­richt „über­sprun­gen“ wird, kann man von ei­ner so­ge­nann­ten Sprung­re­vi­si­on spre­chen. Wich­tig in die­sem Zu­sam­men­hang zu wis­sen: Durch die Wahl des Rechts­mit­tels der Sprung­re­vi­si­on ent­fällt ei­ne zwei­te Tat­sa­chen­in­stanz, bei wel­cher noch­mals ei­ne um­fas­sen­de Be­weis­auf­nah­me statt­fin­den wür­de. Auf der an­de­ren Sei­te gibt es durch­aus Fall­kon­stel­la­tio­nen, bei wel­chen aus tak­ti­schen Grün­den das Rechts­mit­tel der Sprung­re­vi­si­on di­rekt zum Ober­lan­des­ge­richt ge­wählt wer­den soll­te. Dies ist et­wa dann der Fall, wenn of­fen­kun­dig ab­so­lu­te Re­vi­si­ons­grün­de vor­lie­gen, die in ge­ra­de­zu ab­seh­ba­rer Wei­se zu ei­ner Auf­he­bung des Ur­teils füh­ren. Hier kann es Sinn ma­chen, mit ei­ner ge­won­ne­nen Sprung­re­vi­si­on im Rü­cken das Ver­fah­ren vor dem Amts­ge­richt noch­mals kom­plett von vor­ne zu be­gin­nen. Da­ne­ben gilt dies et­wa auch für Fall­kon­stel­la­tio­nen, bei de­nen es in der Tat nur um die Klä­rung von Rechts­fra­gen geht oder bei wel­chem ei­ne un­nö­ti­ge Haupt­ver­hand­lung vor dem ört­lich zu­stän­di­gen Land­ge­richt ver­mie­den wer­den soll. Letzt­lich sind dies al­ler­dings rein tak­ti­sche Er­wä­gun­gen, die mit all ih­ren Chan­cen und Ri­si­ken im je­wei­li­gen Ein­zel­fall kon­kret er­ör­tert wer­den müs­sen.

 

Statt­haf­tig­keit der Re­vi­si­on

Die Re­vi­si­on im Straf­recht ist statt­haft ge­gen Ur­teil des Amts­ge­richts so­wie ge­gen Ur­tei­le des Land­ge­richts. Wird die Re­vi­si­on ge­gen ein erst­in­stanz­li­ches Ur­teil des Land­ge­richts ein­ge­legt ent­schei­det letzt­lich der Bun­des­ge­richts­hof. Er­folgt die Re­vi­si­on im Rah­men ei­ner Sprung­re­vi­si­on ge­gen ein amts­ge­richt­li­ches Ur­teil oder ge­gen ein Be­ru­fungs­ur­teil des Land­ge­richts, so ent­schei­det letzt­lich das ört­lich zu­stän­di­ge Ober­lan­des­ge­richt. Wich­tig hier­bei zu wis­sen: Im Rah­men des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens wird das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil, ver­ein­facht aus­ge­drückt, auf recht­li­che Feh­ler hin über­prüft. Bei dem Re­vi­si­ons­ver­fah­ren han­delt es sich nicht um ei­ne er­neu­te Tat­sa­chen­in­stanz, bei wel­chem noch­mals die Be­weis­mit­tel an­ge­hört bzw. in das Ver­fah­ren ein­ge­führt wer­den. Ins­be­son­de­re fin­det al­so nicht noch­mals ei­ne Zeu­gen­ver­neh­mung statt. Zu­dem sind für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren so­wie das rich­ti­ge Rü­ge­vor­brin­gen ganz er­heb­li­che for­mel­le Vor­aus­set­zun­gen zu be­ach­ten. Letzt­lich ist dies auch ein Grund da­für, wes­halb Re­vi­si­ons­ver­fah­ren auch in­ner­halb des straf­recht­li­chen Ge­fü­ges als be­son­ders kom­plex und kom­pli­ziert gel­ten. Die sta­tis­tisch recht ge­rin­gen Chan­cen für ei­ne er­folg­rei­che Re­vi­si­on im Straf­recht las­sen sich durch um­fas­sen­de Kennt­nis der straf­pro­zes­sua­len so­wie der ma­te­ri­ell recht­li­chen Vor­schrif­ten und durch die re­gel­mä­ßi­ge Be­fas­sung mit der bun­des­wei­ten Recht­spre­chungs­ent­wick­lung deut­lich er­hö­hen.

 

U

Un­ter­schied Berufung/Revision

So­wohl die Be­ru­fung, als auch die Re­vi­si­on sind Rechts­mit­tel, mit de­nen ein straf­recht­li­ches Ur­teil an­ge­grif­fen wer­den kann. Die Be­ru­fung ist zu­läs­sig ge­gen amts­ge­richt­li­che Ur­tei­le. Die Re­vi­si­on kann ein­ge­legt wer­den ge­gen amts­ge­richt­li­che Ur­tei­le im We­ge der Sprung­re­vi­si­on, ge­gen Be­ru­fungs­ur­tei­le des Land­ge­richts so­wie ge­gen erst­in­stanz­li­che Ur­tei­le des Land­ge­richts. Der zen­tra­le Un­ter­schied zwi­schen Be­ru­fung und Re­vi­si­on be­steht dar­in, dass es sich bei dem Be­ru­fungs­ver­fah­ren um ei­ne zwei­te Tat­sa­chen­in­stanz han­delt, bei wel­chem das an­ge­foch­te­ne Ur­teil um­fas­send in tat­säch­li­cher so­wie in recht­li­cher Hin­sicht über­prüft wird. Im Rah­men des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens fin­det in­des kei­ne er­neu­te Be­weis­auf­nah­me statt. Hier wird das Ur­teil „nur“ auf recht­li­che Feh­ler über­prüft. Zu­dem sind im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ganz er­heb­li­che for­mel­le Vor­aus­set­zun­gen zu be­ach­ten, wel­che es zu über­win­den gilt. Dies führt da­zu, dass die straf­recht­li­che Re­vi­si­on häu­fig als be­son­ders kom­pli­ziert an­ge­se­hen wird. Durch die Wahl ei­nes re­gel­mä­ßig im Re­vi­si­ons­recht tä­ti­gen Straf­ver­tei­di­gers, der über die ent­spre­chen­den Kennt­nis­se im ma­te­ri­el­len so­wie pro­zes­sua­len Straf­recht ver­fügt, kön­nen die sta­tis­tisch ge­rin­gen Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner Re­vi­si­on im Straf­recht in­des deut­lich er­höht wer­den.

 

Un­zu­läs­si­ge Ver­tei­di­ger­be­schrän­kung

Bei der un­zu­läs­si­gen Ver­tei­di­gungs­be­schrän­kung han­delt es sich um ei­nen Re­vi­si­ons­grund, wel­cher ge­ge­be­nen­falls im Zu­sam­men­hang mit der Rechts­norm des § 338 Nr. 8 StPO ge­rügt wer­den kann. Denk­bar ist dies et­wa dann, wenn ein Ver­stoß ge­gen den Grund­satz des fai­ren Ver­fah­rens vor­liegt oder die Ver­tei­di­gung an­der­wei­tig mas­siv be­hin­dert wird. Hier­zu kön­nen je nach Ein­zel­fall et­wa un­zu­läs­si­ge Be­schrän­kung des Fra­ge­rechts, ei­ne feh­len­de Rück­sicht­nah­me auf die Ter­mins­la­ge des Ver­tei­di­gers so­wie die Ver­sa­gung von Ge­wäh­rung um­fas­sen­der Ak­ten­ein­sicht zäh­len. Auch die un­ge­recht­fer­tig­te Ab­leh­nung von Un­ter­bre­chungs­an­trä­gen kann in die­sem Zu­sam­men­hang Be­deu­tung für ein Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ha­ben.

 

Un­be­stimm­tes Rechts­mit­tel

Soll ge­gen ein land­ge­richt­li­ches Ur­teil Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den, ist letzt­lich klar, dass es sich hier­bei nur um ei­ne Re­vi­si­on han­deln kann. Wird in­des ein amts­ge­richt­li­ches Ur­teil an­ge­grif­fen, kommt ne­ben dem Rechts­mit­tel der Be­ru­fung auch das Rechts­mit­tel der Re­vi­si­on bzw. der Sprung­re­vi­si­on in Be­tracht. An die­ser Stel­le ist es des­halb nicht zwin­gend not­wen­dig, sich be­reits bei der Rechts­mit­tel­ein­le­gung auf die Be­griff­lich­keit „Be­ru­fung“ bzw. „Re­vi­si­on“ fest­zu­le­gen. Mög­lich ist auch, zu­nächst ein un­be­stimm­tes Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen und le­dig­lich aus­zu­füh­ren, dass „hier­mit ge­gen das amts­ge­richt­li­che Ur­teil vom XY Rechts­mit­tel ein­ge­legt“ wird. Die nä­he­re Kon­kre­ti­sie­rung kann so­dann in­ner­halb der zu be­ach­ten­den Fris­ten zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt statt­fin­den.

 

V

Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht

Im Rah­men der straf­recht­li­chen Re­vi­si­on kann ge­ge­be­nen­falls die Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht durch das er­ken­nen­de Ge­richt ge­rügt wer­den. In § 244 Abs. 2 StPO ist in die­sem Zu­sam­men­hang ge­re­gelt, dass das Ge­richt zur Er­for­schung der Wahr­heit die Be­weis­auf­nah­me von Amts we­gen auf al­le Tat­sa­chen und Be­weis­mit­tel zu er­stre­cken hat, die für die Ent­schei­dung von Be­deu­tung sind. Auch oh­ne ent­spre­chen­den Be­weis­an­trag kann das Ge­richt im Ein­zel­fall von Amts we­gen zu be­ach­ten­der Auf­klä­rungs­pflich­ten ver­let­zen, wenn es et­wa sich ihm ge­ra­de­zu auf­drän­gen­de Be­weis­mit­tel nicht be­rück­sich­tigt.

 

Ver­let­zung des Be­weis­an­trag­rechts

Wird ein ord­nungs­ge­mäß ge­stell­ter Be­weis­an­trag mit un­zu­tref­fen­den Grün­den ab­ge­lehnt, kann dies im Ein­zel­fall re­vi­si­ons­recht­lich an­greif­bar sein. Die Rechts­norm des § 244 StPO zählt die Grün­de auf, nach de­nen es ge­ge­be­nen­falls zu ei­ner sol­chen Ab­leh­nung des Be­weis­an­trags kom­men darf. Hier­zu ge­hö­ren et­wa, wenn die Be­weis­erhe­bung we­gen Of­fen­kun­dig­keit über­flüs­sig ist, wei­ter­hin bei Be­deu­tungs­lo­sig­keit die Ent­schei­dung, im Fal­le des Um­stands, dass die Be­weis­last be­reits an­der­wei­tig er­wie­sen ist oder wenn das Be­weis­mit­tel als völ­lig un­ge­eig­net gilt. Eben­so in Fall­kon­stel­la­tio­nen, bei de­nen das Be­weis­mit­tel un­er­reich­bar ist oder wenn die Be­wei­s­tat­sa­che als wahr un­ter­stellt wer­den kann. Vor­aus­set­zung für ei­ne er­folg­rei­che Re­vi­si­on an die­ser Stel­le ist frei­lich, dass im In­stanz­ge­richt über­haupt ein Be­weis­an­trag ge­stellt wur­de. Dies ist kei­nes­wegs in je­dem Straf­ver­fah­ren der Fall. Aus re­vi­si­ons­tak­ti­schen Über­le­gun­gen her­aus kann es da­her für den In­stanz­ver­tei­di­ger sinn­voll sein, be­reits im Aus­gangs­ver­fah­ren ent­spre­chen­de An­trä­ge zu stel­len, so­fern schon zu die­sem Zeit­punkt mit der ernst­haf­ten Not­wen­dig­keit ei­ner Re­vi­si­on ge­rech­net wer­den muss.

 

Ver­let­zung von Mit­wir­kungs­rech­ten

Re­vi­si­ons­recht­lich an­greif­bar kann auch die Ver­let­zung von Mit­wir­kungs­rech­ten im Straf­ver­fah­ren sein. Letzt­lich sind die Mit­wir­kungs­rech­te ein Aus­druck des Grund­sat­zes des fai­ren Ver­fah­rens. Hier­zu ge­hört u. a. die Mög­lich­keit der Aus­übung des Fra­ge­rechts so­wie das Recht zum letz­ten Wort. Ge­ra­de an die­ser Stel­le kön­nen re­vi­si­ons­recht­lich re­le­van­te Feh­ler et­wa dann ge­sche­hen, wenn das Ge­richt nach dem letz­ten Wort des An­ge­klag­ten noch­mals in die Be­weis­auf­nah­me ein­tritt, weil et­wa noch­mals ein recht­li­cher Hin­weis ge­ge­ben wer­den muss, so­dann aber nicht noch­mals die Mög­lich­keit zum (er­neu­ten) letz­ten Wort ge­währt wird.

 

Ver­let­zung der Öf­fent­lich­keits­rech­te

Kommt es im Rah­men des In­stan­zen­ver­fah­rens zu ei­nem voll­stän­di­gen oder teil­wei­sen Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit, ist dies un­ter re­vi­si­ons­recht­li­chen Aspek­ten ge­nau­es­tens zu über­prü­fen. Es gilt der Grund­satz, dass (im Re­gel­fall) Straf­ver­fah­ren öf­fent­lich ge­führt wer­den müs­sen. Ein­schrän­kun­gen gibt es von Ge­set­zes we­gen bei­spiels­wei­se dann, wenn es sich um ein Ver­fah­ren han­delt, dass sich aus­schließ­lich ge­gen ei­nen Ju­gend­li­chen rich­tet. Die Durch­bre­chung des Grund­sat­zes der Öf­fent­lich­keit ist zwar je nach Fall­kon­stel­la­ti­on denk­bar. Gleich­wohl be­stehen hier­für recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen, die ent­spre­chend er­füllt sein müs­sen. So ist hier­für in al­ler Re­gel ein Ge­richts­be­schluss er­for­der­lich. Wei­ter­hin – und dies ist in der Pra­xis im­mer wie­der von er­heb­li­cher Be­deu­tung – darf die Öf­fent­lich­keit eben nur für die Ver­fah­rens­tei­le aus­ge­schlos­sen wer­den, wel­che in die­sem Be­schluss kon­kret be­zeich­net wur­den. An die­ser Stel­le kann es zu Feh­lern kom­men, wel­che im Rah­men ei­ner Re­vi­si­on er­folg­reich an­ge­grif­fen wer­den kön­nen. Die Ver­let­zung der Vor­schrift des § 338 Nr. 6 StPO stellt ei­nen so­ge­nann­ten ab­so­lu­ten Re­vi­si­ons­grund dar.

 

Ver­fah­rens­rüge

Mit der Ver­fah­rens­rüge wird im Re­vi­si­ons­recht die Ver­let­zung for­mel­len Rechts gel­tend ge­macht. Im Ge­gen­satz da­zu wird die Sach­rü­ge er­ho­ben, wenn ei­ne Ver­let­zung des ma­te­ri­el­len Rechts ge­rügt wer­den soll. Ver­ein­facht aus­ge­drückt kann man sa­gen, dass mit der Ver­fah­rens­rüge der Ver­fah­rens­weg be­an­stan­det wer­den kann, mit wel­chem das er­ken­nen­de Ge­richt zum Ur­teil ge­langt ist. Die Dar­stel­lung ei­ner er­folg­rei­chen Ver­fah­rens­rüge ist an nicht un­er­heb­li­chen for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den. Ins­be­son­de­re ist das so­ge­nann­te Re­kon­struk­ti­ons­ver­bot zu be­ach­ten. Dies be­deu­tet, dass es dem Re­vi­si­ons­ge­richt grund­sätz­lich un­ter­sagt ist, Fest­stel­lun­gen zum In­halt der er­ho­be­nen Be­wei­se an­hand ei­ge­ner Er­mitt­lun­gen zu tref­fen. So wä­re ei­ne ent­spre­chen­de Ver­fah­rens­rüge be­reits un­zu­läs­sig, die letzt­lich auf ei­ne Re­kon­struk­ti­on der Be­weis­auf­nah­me ge­rich­tet wä­re. Dies be­deu­tet, dass der Rü­ge­vor­trag in ei­ner Wei­se er­fol­gen muss, bei wel­chem das Re­vi­si­ons­ge­richt al­lei­ne auf­grund des Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­kolls so­wie der schrift­li­chen Ur­teils­aus­fer­ti­gung ei­ne Über­prü­fung vor­neh­men kann. Ei­ne et­wai­ge Be­zug­nah­me auf In­hal­te der Er­mitt­lungs­ak­te oder ähn­li­ches wä­re in­des nicht statt­haft.

 

Ver­schlech­te­rungs­ver­bot

Ist die straf­recht­li­che Re­vi­si­on im op­ti­ma­len Fall um­fas­send er­folg­reich, wird die Straf­sa­che im Re­gel­fall an ei­ne an­de­re Straf­kam­mer des Land­ge­richts bzw. an ei­ne an­de­re Ab­tei­lung des Amts­ge­richts zu­rück­ver­wie­sen. In die­sem Fall darf das an­ge­foch­te­ne Ur­teil in Art und Hö­he der Rechts­fol­gen der Tat nicht zum Nach­teil des An­ge­klag­ten ver­än­dert wer­den, wenn le­dig­lich der An­ge­klag­te zu sei­nen Guns­ten die Staats­an­walt­schaft oder sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter Re­vi­si­on ein­ge­legt hat. Die­ses Ver­schlech­te­rungs­ver­bot im Hin­blick auf den Rechts­fol­gen­aus­spruch ist in § 358 StPO ge­re­gelt.

 

Vor­schrifts­wid­ri­ger Ab­we­sen­heit

Mit dem ab­so­lu­ten Re­vi­si­ons­grund des § 338 Nr. 5 StPO kann ge­rügt wer­den, dass die Haupt­ver­hand­lung in Ab­we­sen­heit ei­ner Per­son statt­ge­fun­den hat, wel­che grund­sätz­lich zwin­gend an­we­send sein muss. Hier­zu ge­hö­ren der An­ge­klag­te, der Staats­an­walt so­wie der Rich­ter. Je nach Fall­kon­stel­la­ti­on ist wei­ter­hin die An­we­sen­heit ei­nen Ur­kund­s­be­am­ten, des Dol­met­schers bzw. des Ver­tei­di­gers vor­ge­schrie­ben und not­wen­dig. Wich­tig in die­sem Zu­sam­men­hang zu wis­sen: Ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den An­ge­klag­ten gibt es Aus­nah­me­vor­schrif­ten, wel­che je nach Fall­kon­stel­la­ti­on die Mög­lich­keit er­öff­nen kön­nen, die­sen teil­wei­se von der Ver­hand­lung aus­zu­schlie­ßen. In­so­fern ist im Rah­men des Re­vi­si­ons­ver­fah­ren um­fas­send zu prü­fen, ob die Ab­we­sen­heit ei­nes der Be­tei­lig­ten ge­ge­be­nen­falls auf­grund spe­zi­al­ge­setz­li­cher Re­ge­lun­gen ge­recht­fer­tigt war bzw. ob die­ser Man­gel ei­nen we­sent­li­chen Teil der Haupt­ver­hand­lung be­trof­fen hat oder spä­ter durch ei­ne et­wai­ge Wie­der­ho­lung des be­tref­fen­den Ver­fah­rens­ab­schnitts ge­heilt wur­de.

 

Z

Zweck der Re­vi­si­on

Für den An­ge­klag­ten, wel­cher sich im Rah­men der straf­recht­li­chen Re­vi­si­on ge­gen ein vor­he­ri­ges Ur­teil zur Wehr set­zen möch­te, dürf­te sich der Zweck der Re­vi­si­on un­strei­tig dar­aus er­ge­ben, dass letzt­lich ei­ne Ur­teils­auf­he­bung so­wie bei ei­nem wei­te­ren Schritt ein „bes­se­res Ur­teil“ er­reicht wer­den soll. Da­ne­ben dient die Re­vi­si­on im Straf­recht, wenn man die Wah­rung der Ein­zel­fall­ge­rech­tig­keit au­ßer Be­tracht lässt, auch der Her­bei­füh­rung ei­ner Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung. Zu­dem wird teil­wei­se auch der Ge­dan­ke ins Feld ge­führt, dass dem Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ei­ne Kon­troll- oder Dis­zi­pli­nie­rungs­funk­ti­on ge­gen­über den Ge­rich­ten un­ter­halb des Re­vi­si­ons­ge­richts zu­kommt. Letzt­lich ist dies in der Tat aber eher ei­ne rechts­phi­lo­so­phi­sche Fra­ge, die dem An­ge­klag­ten in der Re­vi­si­ons­pra­xis nur be­dingt in­ter­es­sie­ren wird.

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Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum Re­vi­si­ons­straf­recht

Revision und Berufung im Strafrecht

All­ge­mei­ne In­fos Straf­recht­re­vi­si­on

Ablauf Revisionsverfahren

Ab­lauf Re­vi­si­ons­ver­fah­ren

Er­folgs­aus­sich­ten der Re­vi­si­on

Vi­ta Rechts­an­walt Stef­fen Lind­berg

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Ef­fek­ti­ve Ver­tei­di­gung im Re­vi­si­ons­traf­recht

Die Straf­ver­tei­di­gung im Re­vi­si­ons­traf­recht er­folgt bun­des­weit. Ger­ne kön­nen Sie kurz­fris­tig mit uns in Kon­takt tre­ten.